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Das Jahr 1999 ist für Tommy Engel ein ganz besonderes. Nicht nur, weil die Galionsfigur des kölschen Musik-Entertainments am 28. November seinen 50. Geburtstag feiert, sondern weil Tommy Engel in diesem Jahr als Solokünstler das "Comeback des Jahres" gelang - so jedenfalls der einhellige Tenor der Lokalpresse. Die Veröffentlichung seines Soloalbums "100% Tommy Engel" zu Beginn des Jahres überraschte Freunde und Kritiker gleichermassen. Das Studioalbum entpuppte sich als pointenreicher Songreigen mit zahlreichen Reminiszenzen an die eigene Autobiographie: grundauf ehrlich, sehr persönlich, präzise beobachtet und mit feinem Humor auf den Punkt gebracht. Im Rahmen seiner Solokonzerte haben die Lieder von Tommy Engel noch deutlich an Fahrt gewonnen. Das Doppelalbum "Live in der Philharmonie" präsentiert einen bestens aufgelegten Tommy Engel, begleitet von einer exzellenten Band voller Schwung und Elan. Zwei Stunden pures Entertainment von Welt - aber op Kölsch.
Wochenlang hatte Tommy Engel geprobt und mit tatkräftiger Unterstützung von Bill Mockridge, dem Begründer des "Springmaus"-Theaters und Lindenstraße-Darsteller, ein Soloprogramm entwickelt, das mehr sein sollte als nur eine künstlerische Bestandsaufnahme des Musikers Tommy Engel. Mit Bläck Fööss und L.S.E. hatte Tommy Engel die Kölner Musikszene entscheidend mitgeprägt und sich nach der Trennung von den Fööss erst einmal für längere Zeit ins Privatleben zurückgezogen. In der enorm abwechslungsreichen Personalityshow verschmelzen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Tommy Engel zu einer musikalischen Revue voller Anekdoten und Geschichten. Die quer übers Jahr verteilten Konzerte waren von Anfang an allesamt ausverkauft und selbst der "Rolling Stone" war begeistert wie Tommy Engel das Publikum drei Stunden lang "in Sphären wahren Glücks versetzte". Und der "Kölner Stadtanzeiger" schlug in dieselbe Kerbe: "Der Entertainer Engel hat nach längerem Navigieren eine Punktlandung hingelegt, er ist angekommen."
Dass es sich für ihn wie für uns, die Hörer, gelohnt hat, dieses Wagnis einzugehen, wird sicherlich niemanden überraschen, der Tommy Engel kennt: Von der nachdenklichen Ballade ("Denk ich an dich") und das komödiantische Zucchero-Cover ("Do es jo de Oma") über das akustische Wiedersehen mit dem legendären Hausmeister Kaczmarek ("Kein Problem"), einen sarkastisch-galligen Blues ("D'r Seiverblues") bis zur quasi-autobiographi-schen Abrechnung mit der jüngeren Vergangenheit ("Äppel sin kein Birre") offenbart dieses Album mit jedem Ton, dass wir es hier mit einem echten Ausnahmemusiker zu tun haben.
Für die Figur des Kaczmarek hegt Tommy Engel besonders viel Sympathie. "In den Kaczmarek bin ich reingewachsen. Ich muss mich ja nicht verstellen, der Übergang von Kaczmarek zu Engel ist kaum zu erkennen. Ich zieh mir einen Kittel an und es funktioniert. Kaczmarek kann das sagen, was ich nicht sagen kann. Der kann Dinge anders kleiden, der darf richtig ins Fettnäpfchen treten. Den wird es noch lange geben, der hat viel Fleisch. Im Grunde genommen ist er des Volkes Stimme." So zieht das Alter Ego Kaczmarek diesen "Herrn Engel" zur besonderen Freude des Publikums kräftig durch den Kakao.
Und wie das so ist in Köln, bilden die Anekdoten und Geschichten, die Tommy Engel zum Besten gibt, auch ein Stück Stadthistorie. Man kann sich richtig vorstellen, wie Vater Richard, den Bollerwagen im Schlepptau, mit den "Vier Botze" übers Land zog und mit dieser "Boygroup der Zwanziger" in etlichen Kneipen auftrat. "En d'r Kaygass Nr. Null" ist eine Hommage an den Vater und zugleich ein Klassiker des anarchischen kölschen Humors. Seiner Kindheit und den Spielplätzen in den Trümmergrundstücken hat Tommy Engel mit "D'r Dud wor unse Fründ" ebenfalls ein kleines Denkmal gesetzt. Und das gelungene Beatles-Medley erinnert schließlich an die musikalischen Anfänge des Tommy Engel mit den Black Birds, als es in Köln am Rudolfplatz noch einen "Star Club" gab.
Auch auf Evergreens der Bläck Fööss greift der vielseitige Entertainer zurück. Fast 25 Jahre in dieser Band haben ihn natürlich geprägt und mit dem heutigen gesunden Abstand legt er sich bei Fööss-Klassikern wie "Frankreich, Frankreich", "Minge Drache" und "En unserem Veedel" umso beherzter ins Zeug. Das nach vorne noch immer offene Kapitel L.S.E. deckt Engel mit dem nahezu philosophisch tiefschürfenden "Für et Hätz un jäjen d'r Kopp" und dem listig frivolen "Saunaboy" ab. Weitere Highlights sind "Die Stadt", eine liebevolle Ehrbezeugung an Trude Herr, die "durch nichts und niemanden zu ersetzen ist", und die zünftige Interpretation der Rock'n'Roll-Klassiker "Born To Be Wild" und "Blue Suede Shoes", für die sich der Harley-Fan auf eine Solex schwingt und auf die Bühne fährt. "Das macht einfach Spass. Man muss sich selbst auf den Arm nehmen können." Auch in diesem Punkt zeigt Tommy Engel wahre Größe. Ohnehin - allen Unkenrufen zum Trotz - ist der kleine Mann einmal mehr ganz groß rausgekommen. Und wer ihm das Wasser reichen will, der muss tatsächlich - wie es in einem seiner Lieder so schön heißt - "fröher opston".
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