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  Erkan Aki
   
 

Erkan Aki, 32, wurde im Schweizer Kanton Luzern geboren, ist klassisch ausgebildeter Tenor und lebt in Zürich. Seit 1996 interpretiert er Evergreens, Pop- und Filmmusik.
„Zeit der großen Gefühle“ ist sein drittes Album – und das erste, das er ausschließlich in deutscher Sprache singt.

Nun hat er das Album eingespielt, das er sich von Anfang an erträumt hat. Es hat zwei Jahre gedauert, bis sich Erkan Aki sicher war, dass dieser Traum der Wirklichkeit stand hält. Es geht um die Frage: Mögen wir Lieder in deutscher Sprache hören? Ja, sicher mögen wir – und dann rümpfen doch wieder viele die Ohren. Warum das so ist, dafür hat der Schweizer Tenor eine Erklärung: Vieles wird zu flach gesungen. Gerade in einfachen Liedern und Melodien (die mithin die größten musikalischen Leistungen sind) tritt dies am Deutlichsten hervor: Schnell verschwimmt die Leichtigkeit zur Seichtigkeit. Dies zu vermeiden, hat weniger mit der Sprache zu tun als mit der Leidenschaft, sie zum Leben zu erwecken. Mit welch packendem Ausdruck gelang es Freddie Mercuy von Queen, Rock-Hörer mit einer Kindermelodie zu fesseln? I want to ride my bicycle, I want to ride my bike ... „Bicycle Race“ steht (wie vieles von Queen, die Erkan sehr schätzt) für die Anstrengung eines Künstlers, banalen Worten und einer
simplen Tonfolge Magie zu verleihen. It’s a kind of magic. Deutsche Sänger wie Herbert Grönemeyer oder Xavier Naidoo zählt Erkan Aki zu denen, die die Kunst des Ausdrucks hervorragend beherrschen; die expressiv betonen, sich wieder zurücknehmen, Silben komprimieren und wieder dehnen ... So erhalten Worte auch eine emotionale Bedeutung. Und die macht ein Lied aus, das Menschen bewegt. Natürlich nur, wenn auch Produktion und Text mithalten.



„Ich liebe die deutsche Sprache. Wenn man sie richtig gebraucht, ist sie unheimlich weich und faszinierend. Ich finde sie wunder-, wunder-schön; auch kompliziert, aber sie ist eine sehr präzise Sprache.“ Als Tenor hat Erkan Aki natürlich auch Favoriten unter den klassischen Sängern, allen voran Fritz Wunderlich. In dessen Interpretationen von „Danksagung an den Bach“ (Erkans Lieblingslied) aus Franz Schuberts „Die schöne Müllerin“ offenbart sich für ihn der Gipfel der Liedkunst. „Er sang es mit einer natürlichen, positiven Naivität“, sagt der Schweizer und deutet an, dass Wunderlich darin das kompositorische Ideal Schuberts befreite wie kein Zweiter. Ein Lied von der Unzulänglichkeit zu lösen, liegt auch im Streben des jungen Tenors. Klar, dass es ihm eine besondere Freude und Herausforderung war, die 13 Lieder auf „Zeit der großen Gefühle“ mit deutschen Texten zu singen. Die meisten wurden extra für dieses Album verfasst.



Erkan Aki schlug mit 17 Jahren die Tenor-Laufbahn ein. Da betrat er zum ersten Mal die Oper: Im Zürcher Opernhaus erlebte er „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, und als er wieder herauskam, hatte sich sein Leben verändert. Erkan war ergriffen von der Strahlkraft dieses Gesamtkunstwerks aus raffinierter Operette und architektonischer Pracht. Noch am gleichen Abend bestürmte er den Opernsänger, der ihn eingeladen hatte, und bald stand für ihn fest: Ich will klassischen Gesang studieren. Tat’s, spezialisierte sich aufs Liedfach und sang einer Karriere als Bühnensänger entgegen. Kaum hatte Erkan Aki seine Ausbildung in Winterthur absolviert, liebäugelte er wieder mit populärer Musik, die doch so handstreichend ihr Publikum erobern konnte. Gemeinsam mit einer Schweizer Sängerin kam es zu der Idee eines Tenor-trifft-Pop-Duetts; die Probeaufnahme dazu gelangte auf verschlungenen Wegen zu David Lieberberg (seinem heutigen Manager) und von da zu Sony Music.



Seinem erstem Album „Here’s To The Heroes“ wurde ein nach deutschen Verhältnissen ungeheurer Aufwand zuteil. Starproduzent Nigel Wright (Madonna, Barbra Streisand, José Carreras) engagierte ein 80-köpfiges Orchester und machte aus dem ambitionierten Debüt eine Klassikpopsammlung von internationalem Format. Es kletterte auf Platz 38 der deutschen Charts – für einen Newcomer, der als Tenor ins Nest der Rock-Pop-Musik stach, eine Sensation.



Sein zweites Album erschien in diesem Frühjahr. Zwölf neue Songs, die er schlicht als das bezeichnete, was sie sind: „Pop Classics“. Wieder hat Nigel Wright produziert, und doch glaubt Erkan Aki, dass es das schwierigste Album seiner Karriere gewesen sein wird. „Der Druck, besser zu werden, ist zu keinem Zeitpunkt höher, vor allem, wenn das Debüt so unerwartet erfolgreich war.“ Die dreizehn Stücke auf „Zeit der großen Gefühle“ sind zu einem Teil neue, deutsche Fassungen seiner vormaligen Lieder. Zum anderen sind drei neue Lieder hinzu gekommen: „Ein Lied geht um die Welt“ aus dem gleichnamigen Musical von Richard Oswald (1933) und komponiert von dem Wiener Hans May, „Es wird ewig sein“ – Lucio Dallas Caruso – und „Über sieben Brücken musst du gehen“, das von der DDR-Band Karat stammt und durch Peter Maffay 1980/81 berühmt wurde. Es setzt sowohl den Schluss- als auch den Höhepunkt des Albums, denn kein Geringerer als Xavier Naidoo singt es mit Erkan Aki im Duett! Ein weiteres
hochkarätiges Duett ist hier zum ersten Mal auf einem Erkan-Aki-Album zu hören: das gewaltige „Unter der Haut (Les Eternelles)", das der Tenor 1999 gemeinsam mit Original-Interpretin Patricia Kaas in einer deutsch-französischen Version für das Fernsehdrama „Sturmzeit“ aufnahm. Aus seinem ersten Album „Here’s To The Heroes“ ließ Erkan Aki vier Stücke auf Deutsch adaptieren: das Titelstück wurde zu „Siehst du das Wunder“ (John Barry komponierte es für den Film „Der mit dem Wolf tanzt“), aus "Still Me" wurde „Du warst immer da“ (eine weitere Filmmusik, von James Horner für „Legenden der Leidenschaft“, 1995), "La Chanson Des Montagnes" – Solveigs Lied aus Edvard Griegs Peer Gynt – wandelte sich zu „Eine Liebe ohne Antwort“ und "L’Amour Est Bleu" bleibt blau, allerdings „Blau wie das Meer“. Nur zwei Titel tauchen unverändert nochmals auf, sie befanden sich schon auf Erkans vorigem Album „Pop Classics“: das „Lied der Freiheit“ (der Gefangenenchor aus Giuseppe Verdis Oper Nabucco) und „So
lang man Träume noch leben kann“ von der Münchner Freiheit. Drei weitere Songs aus „Pop Classics“ bekamen neue deutsche Texte: „Von hier bis in die Unendlichkeit“ ("Forever Is Not Long Enough"), „Ohne dich“ ("Che Sarà") und „Welten“ (John Barrys "Places", das Titelstück des Films „Out Of Africa“).



Berlin, August 2001







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